Verpflichtung zum Erfolg: Die Wein-Plus Convention, 16.-17.11.2013


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Foto: Axel Gross, www.grossaufnahmen.de

„Wein Plus – das europäische Weinnetzwerk“ existiert seit 15 Jahren. Hierbei  handelt sich um eine Mischung aus Vermarktungsplattform, Weinführer und Abonnementen Service. Der monatlich erscheinende, personalisierte Wein-Newsletter und der Zugang zu den detaillierten Weinbewertungen vom Team Hofschuster/Stammen sind die wichtigsten Elemente für die User. Für Winzer und Händler bietet die Plattform darüber hinaus spezialisierte Serviceleistungen. „Wer Mitglied im Netzwerk von Wein-Plus ist, hat einen Wissens-, Kontakt- und Servicevorsprung in der Welt der Weine“, heißt es auf der Webseite von Wein-Plus. Der Kontakt von Wein-Plus zu seinen Zielgruppen fand bisher online statt. Indes liegt die Wein-Plus Zentrale in Erlangen fernab von jeder weinvibrierenden Metropole, daher schien es naheliegend, das erste reale Zusammentreffen von Winzern, Weintrinkern, Weinhändlern und sonstigen Weinprofis in eine größere Stadt wie Frankfurt am Main zu verlegen. Glaubwürdig klingt es, wenn Utz Graafmann, der Geschäftsführer von Wein Plus, über seine eigene Convention schreibt, es handele sich hierbei um einen „Herzenswunsch“, den er schon lange hegte. Ein Wunsch, der einige Zeit brauchte, bis er nach anfänglichen Hürden nun Realität wurde, nicht zuletzt wegen der Kooperation mit dem VDP, der Vinum und Wine in Moderation sowie den weiterer Sponsoren Selters und K & M Gutsweine.

Unter dem Motto „Wein erleben, erkunden, einkaufen“ vereinte die Convention eine exklusive Weinausstellung mit mehr als 700 Weinen. Außer Deutschland waren Weingüter aus Italien, Frankreich, Österreich und Griechenland vertreten. An den Schildern der Stände zierten QR-Codes den Auftritt und die extra eingerichtete Twitterwall (#wpcFFM) symbolisierten gemeinsam die starke mediale Orientierung der Gesamtveranstaltung. Zur Vertiefung für die Konsumenten fanden Wein-Workshops und Seminare statt, u.a. mit  Nicola Neumann, Carsten Stammen und Astrid Ziegelmeier.
Die Convention möchte neben der ProWein zu dem regelmäßigen Branchentreffpunkt werden. Ein ehrgeiziges Ziel. Bei dieser Ausgangslage und der Bekanntheit von Wein Plus als online-Netzwerk war der Erfolg der Convention eine Verpflichtung und um etwas vom Fazit vorweg zu nehmen: Die Veranstalter sind ihrem eigenen Anspruch durchaus gerecht geworden, es war ein gelungener Auftakt.

Ausstellungen und Workshops

Die Ausstellung und die Workshops erstreckten sich über beide Tage, während die Weinmarketingkonferenz  am Sonntag ihren Lauf nahm. Die Resonanz aus den Workshops lässt sich einfach zusammenfassen: kompetent, informativ, kurzweilig. Verkostungen mit guter Moderation begünstigen den gemeinsamen Austausch, in kleinen Runden. Wenn die Geschäftsführerin des VDPs, Frau Raps, die hauseigene Lagenklassifikation erklärt, ist das ebenfalls in sich stimmig sein. Hier wurde auf Professionalität gesetzt und vom Publikum honoriert. Ähnliches gilt selbstverständlich für die Standpräsentationen: professionell, hochwertig und elegant…langweilig? Nein, das war alles in einem sehr lebendigen Raum verortet, der durch die vielen kleinen Gespräche, die sich um die Stände herum entwickelten, eine insgesamt lockere Atmosphäre erzeugten; keine steife Weinverkostung sondern eine Weinentdeckungstour auch für das Nicht-Fachpublikum. Wein-Plus hatte allerdings gezielt in seinem Netzwerk Werbung für die Veranstaltung gemacht, somit war der Kenntnisstand des Publikums auf jeden Fall überdurchschnittlich. Die kulinarischen Highlights wie der Wurst- und Käsestand im Foyer unterstützten die Erlebnis-Genussroute.
Von dem einen oder anderen Winzer war zwar zu hören, dass aufgrund der hohen Standkosten die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht ganz einfach war, am Samstag hätten es mehr Besucher sein können, aber der Sonntag hat die Erwartungen sogar übertroffen. Insgesamt kamen rund 3.000 Besucher. Die deutschen Spitzenerzeuger waren entgegen meiner ursprünglichen Vermutung nicht nur beim VDP angesiedelt, denn mit Weingütern wie Markus Molitor, Josef Biffar oder Caspari-Kappel war die deutsche Fraktion breiter aufgestellt als bei so manch anderer Verkostung. Grundvoraussetzung war eine mindestens gute Klassifikation im Wein-Plus Führer. Die Teilnahme italienischer, österreichischer und einiger griechischer Erzeuger unterstrich den europäisch-internationalen Anspruch des Netzwerks und ein begleitender Katalog aller Aussteller lieferte einen guten „Wegweiser“ durch die Halle.

Die Weinmarketing-Konferenz: Highlights

Ebenfalls auf reges Interesse stieß die gut besuchte Marketingkonferenz am Sonntag. Die Moderation übernahm Blogger und Weinmacher Dirk Würtz. In wenigen Minuten umriss er in seiner Begrüßung einige Kernprobleme des deutschen Weinmarktes. Wenn er sich den Fachhandel anschaue, dann sehe er dort oftmals „engagierte Amateure“ und nur wenig Professionalität. Das käme ausgerechnet in einer Zeit, in der insbesondere die Herausforderungen des stationären Fachhandels größer nicht sein könnten. Wein jenseits der 5 € Grenze sei ein Produkt, das „eigentlich keiner braucht“ und selbst jenseits dieser Grenze habe der LEH inzwischen mit über einer Million verkaufter VDP Flaschen richtig zugelegt. Außer einer kleinen, eher „selbstreferentiellen High-End Welt“ zähle in Deutschland die Fläche und die meisten Kunden im LEH würden Wein ohnehin als Bei-Produkt kaufen: weil sie dort einkaufen gehen, nehmen sie auch einen Wein mit. Damit, so Würtz, unterscheide sich das Suchverhalten und die Priorität, die Kunden beim Weinkauf an den Tag legten, signifikant von Ländern wie Frankreich. Wein verkaufe sich in Deutschland immer noch primär über den Preis. Mit Blick auf die Entwicklung im Netz gestand selbst er ein, von der Geschwindigkeit der Veränderung überrascht gewesen zu sein. Ich frage mich in diesem Moment, wie es dann wohl dem Rest des Publikums mit dem Internet ging, in den letzten Jahren?!

Nahtlos an diese Problemdefinition knüpfte Prof. Dr. Ruth Fleuchhaus (Universität Heilbronn, Weinbetriebswirtschaft) mit ihrem Vortrag über „Chancen des Weinfachhandels“ an. Warum sollte der Konsument überhaupt ein Motiv haben, heute den Fuß über die Schwelle eines Fachhandels zu setzen? Die Discounter und der LEH würden stark zulegen und jede Einkaufsstätte generiere heutzutage mit Wein Wertschöpfung. Mengenmäßig sei der Discounter ohnehin im klaren Vorteil: fast 2/3 der Weine würde unter 1,99 € verkauft.

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Slide aus dem Vortrag von Prof. Fleuchhaus, Weinmarketing-Konferenz

Der LEH lege sowohl in der Menge zu aber vor allem bei der Informations- und Servicequalität, ein Punkt, der in dem anschließenden Vortrag von Michael Pleitgen weiter illustriert wurde. Der Fachhandel hingegen habe in der Vergangenheit seine eigentliche Stärke (Beratung und Service) schon deshalb nie voll ausgespielt, weil er die Kundenzufriedenheit nicht in den Mittelpunkt gestellt hätte. Das Profil/Image eines Sortiments hänge von mehreren Dimensionen ab wie den Produkten, den Preisen, der Promotion und dem Ort. Insbesondere für die Promotion sei inzwischen das „Word of mouth marketing“ („Mundpropaganda“; persönliches Empfehlen) viel wichtiger für den nachhaltigen Erfolg als die klassische Prospektwerbung oder die einfach gestrickte Internetwerbung: „Werben sie noch oder empfiehlt man sie schon?“  In der alltäglichen Werbeflut steche die persönliche Empfehlung einfach heraus. Weinhändler mit Ambitionen sollten auf jeden Fall ein gutes Kundenclub-Management entwickeln, um gerade diesen Faktor für sich zu nutzen.

Michael Pleitgen (Weinakademie Berlin) ging in seinem Vortrag „Herausforderungen und Lösungen für den Handel“ auf Beispiele aus der Praxis ein, wie sie insbesondere der LEH in den letzten Jahren umgesetzt hat. Dabei standen neue Präsentations- und Eventformen im Vordergrund. „Deutschland ist Discounter-Land“, mit diesem Satz des Food & Wine Analysten Arend Hejbroek von der Rabobank unterstrich Pleitgen, dass der Discounter wie der LEH hart daran arbeite, satte Gewinne mit Wein zu machen UND bessere Qualität zu liefern als bisher. Die absteigende Qualitätspyramide Fachhandel-Supermärkte-Discounter sei dabei, sich teilweise umzudrehen. Selbst anspruchsvolle Fachkunden seien dem Fachhandel nicht mehr treu ergeben. Klagen wie „die probieren bei der Pro Wein 300 bis 400 Weine und bestellen dann woanders“ kämen immer häufiger. Den Fachhändlern empfahl Pleitgen – ähnlich wie schon zuvor Dirk Würtz und Prof. Fleuchhaus – schnellstens ihre Hausaufgaben zu machen, die Sortimente zu optimieren, den Einkauf neu zu organisieren sowie die Logistik zu überprüfen. Als ein positives Beispiel könnte hier „Interpartner Weinimport“ stehen, eine Gruppe von heute 40 Fachhändlern, die seit 1979 den Einkauf gemeinsam organisieren. Welche weiteren Mittel müssten hinzukommen, um am enger werdenden Markt zu bestehen? Attraktive Standorte, das Leistungsangebot erweitern, Auftritt/Präsentation verbessern und gute Mitarbeiter in die Läden bringen – Dinge, die Geld kosten aber wichtige Investitionen für die Zukunft seien. Neue Eventformen wie die „Die Nacht der guten Weine“ oder Jacques Weindepot mit seinen Veranstaltungen können als interessante, ausbaufähige Angebote gesehen werden.

Nach der Mittagspause folgte Prof. Dr. Dieter Hoffmann (Geisenheim) mit einem Vortrag über den „Wettbewerb der Einkaufsstätten“. Hoffmann vertrat – wie immer charismatisch – eine Gegenposition zu seinen Vorrednern: Der Discounter sei nicht so stark, wie oft anhand der GfK-Daten und DWI-Daten vermutet,  stattdessen habe der Fachhandel noch immer einige Vorteile, die sich insbesondere in der  Beratungsqualität niederschlagen würden. Zur Stützung der These verwendete Hoffmann selbst erhobene Daten insbesondere aus dem Jahr 2011. Während laut GfK und DWI 46% beim Discounter und 31 % beim LEH gekauft würden und lediglich 7 % im Fachhandel und 16% beim Erzeuger, sei in Wirklichkeit davon auszugehen, dass der Anteil der letzteren Gruppen viel höher sei, vor allem wenn nicht mehr die Menge der Weine sondern der Wertanteil bei den Ausgaben betrachtet würde:

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(Slide aus dem Vortrag von Prof. Dr. Hoffmann)

Ich habe mich gefragt, ob es möglich wäre, hier statistische Fehlerwahrscheinlichkeiten anzugeben um dann womöglich andere Schätzungen anzustellen, die den scheinbaren Gegensatz zwischen den Daten von Hoffmann und denen der anderen erklären könnten? In der Fachwelt, so mein Eindruck nach einigen Gesprächen, sind sowohl die Zahlen der GfK als auch die Zahlen von Prof. Hoffmann umstritten, weshalb zum gegenwärtigen Diskussionsstand eigentlich nur gesagt werden kann, dass mehr qualitative und quantitative Marktforschung benötigt wird, nicht nur, um einzelne Segmente „korrekt“ abbilden zu können sondern auch um zu erfahren, wie die Konsumenten in dieser Zeit wirklich ticken. Mit Spannung darf man allerdings die ausführlichere Darstellung und Interpretation der Ergebnisse erwarten, die Hoffmann und Szolnoki in einem gemeinsamen Buch für den kommenden Januar angekündigt haben („Neue Wege der Weinkunden-Segmentierung in Deutschland“, Geisenheim University).

Dr. Gergely Szolnoki (Geisenheim) schlüsselte in seinem Vortrag „Segmentierung von Kunden nach Weinkonsumverhalten“ den Markt nach mehreren sozio-demographischen Variablen auf und erläuterte recht kurzweilig, welche Bedeutung diesen Faktoren zukommt. Die Forschung im Bereich „Segmentierung von Weinkonsumverhalten“ stecke noch in den Kinderschuhen, ebenso wie die anwendungsorientierten Versuche, dieses Wissen im Markt umzusetzen. Um etwas Differenziertes über das Weinkonsumverhalten auszusagen, ist es zunächst geboten, die Häufigkeiten des Weintrinkverhaltens zu erfassen. Eine repräsentative Befragung bei 2.000 Befragten aus dem Jahr 2011 ermittelte den Anteil der Nichttrinker mit 40%, eine große Gruppe von 23 % trinkt seltener als einmal im Monat, 14% trinken Zwei- bis Dreimal pro Monat und lediglich 8% einmal die Woche sowie 6%, die mehrmals in der Woche trinken. Die konsumierten Mengen allerdings waren mit 122 L bei den Mehrmals-Trinkern und 65 L bei den einmal pro Woche Trinkern deutlich höher als bei den Zwei- bis dreimal pro Monat Trinkern (36 L) oder den einmal pro Monat Trinkern (16 L). Männer trinken nur etwas seltener Wein als Frauen, aber Weinfachgeschäfte, Weingüter und andere Formen des direkten Verkaufs werden eher von Männern genutzt während Frauen bevorzugt im LEH (33,6% vs. 26,3%) und im Discounter (32,9% vs. 25,7%) kaufen. Die geschlechtsspezifischen Geschmacksvorlieben zeigen allerdings sehr deutliche Unterschiede, zunächst bei den Weißweinen: Frauen trinken sehr gerne lieblich (25,5% F. vs. 15,8% M.), bei haltrocken ist das Bild ausgeglichen (43,4% M. vs. 42,9% F.) aber bei den trockenen Weinen (28,6% M. vs. 22,4% F.) dominieren die Männer wieder. Für die lieblichen Rotweine ist das Bild ganz ähnlich (24,9% F. vs. 14,3% M.) wie für die lieblichen Weißen und bei den trockenen Roten findet sich die größte Differenz der Geschlechter (38,7% M., 25,6% F).
Die trockenen Weine besitzen nach wie vor den höchsten Wertanteil (57%) vor den halbtrockenen Weinen (34%) und lieblich bleibt mit insgesamt nur 9% ein Nischenphänomen, gerade im Premiumbereich. Das passt auch zu dem Befund, dass die Lieblichwein-Trinker bezüglich der Konsumintensität am häufigsten Gelegenheitstrinker sind während die trockenen Weine am häufigsten von den einmal- und mehrmals pro Woche Trinkern bevorzugt werden.

Sehr interessant waren hier die Zahlen zum Pro-Kopf-Verbrauch: Häufigtrinker stechen mit 89,6 L heraus, gefolgt von 27,9 L. bei Gelegenheitstrinkern und lediglich 7 L bei den „Wenigtrinkern“. Der oft zitierte Durchschnittsverbrauch von ca. 24 Liter pro Verbrauch sei daher nur wenig aussagekräftig, so Szolnoki. Am Ende des Vortrags verwies der Betriebswirtschaftler darauf, dass Disziplinen wie die Soziologie womöglich einen guten Schlüssel zum Verständnis der unterschiedlichen Faktoren bereithielten, die das Weinkonsumverhalten ausmachen. Ich stimme zu!

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(Slide aus dem Vortrag von Szolnoki)

Nach der Wissenschaft ging es ganz praktisch mit dem Thema „Individuelles Branding als Grundlage des erfolgreichen Weinverkaufs“ weiter, sehr anschaulich dargestellt und erläutert von Christoph Ziegler (Medienagenten, Bad Dürkheim). Ohne einen deutlich stärkeren Konsumentenfokus sei es in Zukunft für Wein- oder Hofhändler sehr schwer, noch Wein zu verkaufen. Teilweise, da schloss er an die Eingangsvorträge an, sei das jetzt schon so. Das Schlüsselwort heiße „Authentizität“, aber wie lässt sich der authentische Eindruck und das eigene Qualitätsstreben vermitteln? Besonders eindrucksvoll war der Vergleich einer Personalisierungsstrategie von Apple mit einer Personalisierungsstrategie einer Winzermarke: die Worte, mit denen Apple die Arbeit an seinen Produkten beschrieb konnten fast im Wortlaut auf die Marke eines Winzers übertragen werden, ohne dass dies gekünstelt wirkte. Viele Beispiele kamen von erfolgreichen „Neuauflagen“ (Relaunches) des Markenauftritts bekannter Weingüter, die die Medienagenten in Eigenregie durchführten. Das Neudesign der Weinetiketten bei „von Othegraven“ besteht beispielsweise aus einer kreativen Neukombination der Initialen „v O“. das O ist dabei bewusst so groß geschrieben, dass es auch aus größerer Entfernung noch eindeutig zu erkennen ist:

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Markenlogo „von Othegraven“. Aus welcher Entfernung können Sie es noch erkennen?

Dies geschah auf ausdrücklichen Wunsch von Herrn Jauch, dem prominenten Auftraggeber, der seinen eigenen Namen aber bewusst nicht zur Marke stilisieren wollte – somit ist trotz dem Eigentümerwechsel das Moment der Kontinuität, der Widererkennbarkeit gewahrt worden. Selbstverständlich erscheint das Buchstabenlogo nun auf einer ganzen Reihe anderer Print- und Onlinemedien und festigt damit den optischen Neustart der Marke. Wirklich gelungen sei so ein Neustart, wenn es ein Bündel an Änderungen gäbe, im Paket, dadurch ließe sich am besten eine neue Gesamtstrategie für die Marke entwickeln.

Eine Marketingkonferenz initiiert von Wein Plus wäre unvollständig gewesen ohne einen Vortrag des Initiators, Utz Graafmann (Geschäftsführer und Gründer von Wein Plus). „Die zehn wichtigsten Bausteine für erfolgreiches Internetmarketing“ erzählte in Stichpunkten das Erfolgsrezept von Wein Plus.

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(Slide aus dem Vortrag von Graafmann)

1.Die eigene Homepage. Entgegen manch anders lautender Gerüchte sei die eigene Homepage nach wie vor das zentrale Marketinginstrument im Netz, mit oder ohne Shop. 2. Die Suchmaschinenoptimierung.  Jeder, der heute einen Suchbegriff eingibt, hat schon immer Konkurrenz – hier gelte es, sich selbst Kenntnisse anzueignen, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. 3. Der eigene Newsletter. Wein-Plus ist nicht zuletzt dank seines Newsletter eine Plattform mit hoher Kundenbindung. Viele Newsletter seien allerdings wenig aussagekräftig, weshalb diese auch oft einfach „weggeklickt“ würden, so Graafmann. Ein interessanter Aufmacher sei zentral. 4.Suchmaschinenwerbung. Ein Tool, das prinzipiell offen ist für alle Nutzer, zuverlässig steuerbar und kalkulierbar in den Kosten sei, da z.B. die „sponsored links“ bei Google AdWords erst etwas kosten, wenn sie auch tatsächlich benutzt werden. Die Effekte seien relativ einfach messbar und daher sinnvoll zu integrieren.  5.E-Mail- und Displaywerbung. Das Emailmarketing ist der Klassiker unter den Tools, aber gerade daher auch etwas „abgenutzt“. Wer liest Weinwerbung, die per email kommt? Hier gelte es, Fingerspitzengefühl nach dem Motto „push statt pull“ zu praktizieren.  6. Kooperationen: 1+1=3 , das ist der Mehrwert, den Kooperation bringt. Hier gelte es, auch die Konkurrenz in einem Gebiet nicht als schädlich für das eigene Geschäft zu begreifen sondern auch selektiv einzubinden, zum wechselseitigen Vorteil. Die Punkte 7 bis 9 können zusammen als „Social Media Bausteine“ betrachtet werden: Facebook, der eigene Blog, Twitter und Google+ bilden zusammen eine „Sphäre“, in der ganz ähnliche Kompetenzen gefragt sind: „In Sozialen Medien sprechen Menschen, keine Unternehmen. Die Gespräche sind offen,  ehrlich und natürlich. Das ist eine völlig andere Sprache und eine andere Kultur als die in Marketing-Broschüren. In diesem Umfeld werden wir nur dann erfolgreich sein, wenn wir uns zu 100% auf diese Welt einstellen und einlassen“ (Graafmann). Das stimmt! Und bei der heutigen Social Media Weinlandschaft wird meistens schnell deutlich, wer dieses Spiel beherrscht und wer in „Online“ nur einen Vertriebskanal sieht.

In dem Vortrag von Karl-Heinz Wenzlaff (Wenzlaff Consulting) zum Thema „Standortbezogenes Social-Media-Marketing 2013“ knüpfte dieser inhaltlich stark an die Überlegungen von Graafmann an, indem er eine zeitgemäße Gesamtstrategie für die Integration diverser Online-Formate entwarf. Wenzlaff betonte wie wichtig die strategische Ausrichtung mit Blick auf die grundsätzliche Zielorientierung sei – ich nenne das in Ermangelung eines besseren Begriffs die „authentische Sichtbarkeit“. Wie Fleuchhaus betonte er die starke Wirkung von Empfehlungen, insbesondere für das Kaufverhalten der nachwachsenden Generation. Eine von MTV (!) und Nielsen in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „A Global Study on Social Media Youth“ (MTH Networks/Nielsen) kam zu dem Schluss, dass sich 50% beim Einkauf stark auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten verlassen, 39% hielten soziale Netzwerke für geeignet, um Meinungen über Erfahrungen und Dienstleistungen einzuholen und immerhin 36% nutzen soziale Netzwerke, weil sie andere Produkte und Dienstleistungen empfehlen können. „Soziale Netzwerke“, so eine zentrale Botschaft, sei gerade bei den Jüngeren nicht mehr auf Facebook beschränkt. Die „jüngeren Formate“ wie beispielsweise „Snapchat Stories“ seien noch mehr auf Geschwindigkeit ausgelegt als die herkömmlichen sozialen Netzwerke und verlangten damit nach anderen Strategien der Aufmerksamkeitserzeugung. Die Zeiten sind kurzlebig. Nicht zuletzt deshalb brach Wenzlaff eine Lanze für den Erhalt des eigenen Blogs, Motto: „Soziale Netzwerke kommen und gehen, Blogs bleiben“. Wer nur die Schnelligkeit bedient, verliert sich und wird schnell vergessen, wer beide Elemente vereint, wird erinnert.

Den Abschluss der Konferenz bildete der Vortrag „Multisensorische Kommunikation und Erlebnismarketing im Weinhandel“ von Alexander Schreck (Geschäftsführer Wein-Plus Eventmarketing). Über das Geschmackserlebnis bzw. über unsere Wahrnehmung von Qualität entscheide wesentlich ein Bündel von sensorischen Eindrücken sowie unsere vorherigen Erfahrungen. Sehen (visuelle Wahrnehmung), Hören (auditive Wahrnehmung), Riechen (olfaktorische Wahrnehmung), Schmecken (Gustatorische Wahrnehmung) und Fühlen (taktil-kinästhetischer Sinn) greifen hierbei ineinander. Die wichtigste Erkenntnis lautet jedoch: Qualitätserlebnis ist viel mehr als der Geschmack. „Es ist nur sehr begrenzt möglich, sich ausschließlich über geschmackliche und qualitative Besonderheiten abzuheben, wenn man von einer vergleichsweise kleinen Konsumentenschicht von ‚Spezialisten‘ absieht. Aber selbst in dieser Gruppe spielen begleitende Qualitätskriterien wie Erlebnis und Kommunikationsqualität eine große Rolle“ (Zit. Prof. Dr. Göbel, Geisenheim).
Um die Erlebnisqualität ging es Schreck auch bei einem Live-Experiment mit dem Publikum, indem er auf einem einseitigen Fragebogen die fünf Sinne als Spaltenüberschriften und diverse Begriffe (von Michal Jackson über Blumenkohl bis Champagner und Iphone) als Zeilenbeschriftungen auflistete. Jeder Konferenzteilnehmer sollte nun möglichst spontan notieren, welchen Sinneseindruck mit dem jeweiligen Begriff korrespondiert. Ein Blick auf den eigenen Zettel nach dem Ausfüllen und denen der Nachbarn zeigte zwei Tendenzen: Niemand assoziierte auf dieselbe Art und jeder hat einen dominanten Sinn – bei mir war es mit 14 Treffern der Sehsinn (gefolgt von jeweils 9 auditiven und kinästhetischen, 6 olfaktorischen und 5 gustatorischen Begriffen). Ich musste spontan daran denken, wie vor diesem Hintergrund wohl Weinbeschreibungen bei dem Publikum ankommen, wie stark sich die Assoziationen mit Weinvokabeln unterscheiden könnten – beachtlich!

Ausblick: Noch mehr Dialog

Mit der Convention ist ein interessantes Format entstanden, in dem die Elemente Weinpräsentation, Weinprobe und Weinkonferenz/Fachtagung  kreativ verbunden sind. Das ermöglicht es den Besuchern ein abwechslungsreiches Programm nach individuellen Interessen  zu gestalten: Wein probieren, diskutieren, Vorträgen lauschen und sich mit anderen vernetzen – das alles geht recht reibungslos zusammen, die kurzen Distanzen am Ort des Geschehens und das Foyer als unvermeidbarer Treffpunkt taten das Ihre zum geglückten Austausch.

Die Konferenz könnte noch durch etwas mehr Dialog gewinnen. Wissenschaftler und Praktiker, die auf der Konferenz Befunde zu ähnlichen Untersuchungsgegenständen präsentieren, könnten auch direkt miteinander diskutieren (das Symposium und der Wein haben schon immer gut zusammen gepasst). Oder die jeweiligen Referenten könnten gebeten werden, doch 1-2 Fragen an das Publikum zu stellen, um in einer kurzen Diskussion nach dem Vortrag nochmal gezielt auf die vermuteten Highlights einzugehen. Sicher, dafür müsste die Zeit irgendwo anders weggenommen werden, vielleicht könnte man hier auf einen Vortrag verzichten – es bliebe auch mit einem Vortrag weniger noch eine sehr inhaltsreiche Konferenz!

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