Eindrücke von der RendezVino/Inventa in Karlsruhe, 13.-16.02.2014

Die Inventa in Karlsruhe ist eine große Messe, die sich selbst als „lifestyle-orientierte Plattform für die gehobene Wohnraumgestaltung, einzigartige Wohnaccessoires, nachhaltiges Bauen & Sanieren, Energie- und Haustechnik sowie für die individuelle Gartengestaltung“ beschreibt. Die RendezVino ist ein Teil des Konzepts und vereint außer vielen Weinerzeugern auch Delikatessen- sowie Feinkostanbieter.

Ich hab mich bei dem Besuch weitestgehend auf die RendezVino beschränkt und selbst dies hat für einen Tag locker gereicht. Das Arrangement der Messe empfand ich als sehr gelungen: Große Hallen, viel Platz, kein Gedränge, logisch und trotzdem aufgelockert angeordnet im Raum. Es hat viel Spaß gemacht, an einem Stand Wein zu trinken um an einem anderen Stand hochwertiges Olivenöl oder Monschauer Biersenf mit Brot zu probieren. Apropos Monschauer Biersenf: Hiervon habe ich mir ein Fässchen gekauft und kann das nur jedem empfehlen, der gerne handwerklich gut gemachten, malzig-süßlichen Senf mag (http://www.senfmuehle.de/start/index.html). Diesen Senf in Kombination mit frischem Grillzeug während der nun einsetzenden Saison wird ein sinnliches Erlebnis der besonderen BBQ-Art sein.

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Uneingeschränkt zu empfehlen: Die Monschauer Senfmühle

Kommen wir aber zum Wein. Der Strukturwandel in der Weinwirtschaft ist auch auf der RendezVino greifbar gewesen. Viele Jungwinzer waren dort, die sich von dem Erbe ihrer Eltern produktiv distanzieren, die die Anzahl der Rebsorten reduzieren und das Profil der verbliebenen Rebsorten straffen. Das Weingut Schneiderfritz aus der Pfalz (Billigheim – Ingenheim) ist so ein Beispiel: Anstatt wie früher 12 Rebsorten in drei Geschmacksrichtungen auszubauen, gibt es heute mit einer „Grey Line“, einer „Red Line“ und einer „Black Line“ ein viel klareres Profil als noch vor einigen Jahren.  Die vier Einstiegsweine der „Red Line“, ein „Urgestein“ Riesling Kabinett, ein Sauvignon Blanc QbA und ein Weiß- und Spätburgunder Kabinett sind allesamt trocken ausgebaut und bewegen sich im lachhaft niedrigen Preisbereich von 4,80 € bis 6,50 € – ganz viel Wein für vergleichsweise sehr wenig Geld. Die Weine der „Black Line“ aus den Rebsorten Weißburgunder, Spätburgunder und Riesling sind dagegen im trockenen Spät- und Auslesebereich angesiedelt, den Weißburgunder gibt es für 8,00 € während die Lagenrieslinge aus dem „Steinbiss“ (Name ist Programm!) und dem „Venusbuckel“ für ganze 12 € ebenfalls klar unter dem Preisniveau vergleichbarer Lagenweine liegen.

Völlig neu und anders als viele Weingüter ihre Weine präsentieren, kommt das Projekt „Neverland“ aus dem rheinhessischen Vendersheim daher. Der Wein GOT („Good Old Times“), eine mutige Cuvée aus Scheurebe, Huxelrebe, Bacchus und Gewürztraminer, ist in sich stimmig, trocken, würzig und mit viel Trinkfluss ausgestattet. Neverland – da denken einige vielleicht an die ehemalige Ranch von Michael Jackson, aber tatsächlich ist das Motiv „Peter Pan“ entlehnt: „So come with me, where dreams are born, and time is never planned. Just think of happy things, and your heart will fly on wings, forever, in Never Never Land!“ Ich frage Sebastian Class, einen der Gründer von Neverland, ob wir in Zukunft noch mit mehr „Träumen“ aus diesem Projekt rechnen können. Er zeigt sich positiv optimistisch. Meine persönliche Einschätzung: das stabilisiert sich. Hier könnte eine der wenigen genuinen Markenweine entstehen und Rheinhessen als junges, dynamisches Weinland bietet beste Voraussetzungen für diese Art von Projekt. Den Wein gibt es für faire 9,90 € (Hier erhältlich: http://www.neverland-wine.com/GOT-Good-Old-Times).

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Irgendwie anders: Der GOT-Wein von „Neverland“

Szenenwechsel. Baden-Baden. Auf dem traditionsreichen VDP-betrieb Schloss Neuweier herrscht Aufregung: in einigen Tagen sollen die Trockenmauern am Mauerberg  erneuert werden, das Land hilft dabei mit, denn alleine kann selbst ein größerer Betrieb wie Neuweier diese Aufgabe nicht stemmen.  Für den Wein hat das allerdings keine Auswirkungen, dennoch dürfte ein Besuch auf dem Schloss für interessierte Weinleute lohnen. Das Weingut unterscheidet den Mauerberg Riesling trocken (Erste Lage) und den Mauerberg „Großes Gewächs“ trocken (Große Lage) in seiner Kollektion. Beides perfekt handwerklich produzierte Rieslinge, sehr typisch, fein und elegant mit Würze, Zitrusnoten und nur einem leichten Touch Pfirsich, der genug Platz lässt für die lagentypischen Eigenschaften. Auch die neulich bei „Captain Cork“ bereits besprochenen Weine des benachbarten Weinguts Sven Nieger sind ohne Abstriche zu empfehlen. Klosterbergfelsen und Mauerberg sind die beiden varnhalter Lagen, die sich der Weinfreund merken sollte.

Die Nahe ist ein interessantes Weinbaugebiet für alle, die authentisch biologischen Wein trinken wollen. Denn hier gibt es einige Weingüter, die seit fast 30 Jahren biologisch arbeiten, also viel länger als der heutige neumodische Trend läuft. Eines dieser Weingüter ist das sogar Demeter-zertifizierte Weingut Fuchs-Jacobus in Schweppenhausen. Der Steyerberg ist ein steiler Schieferberg, dessen Verwitterungsboden eine sehr gute Grundlage für die fruchtigen aber dennoch sehr lagentypischen Weine bietet. Ich unterhalte mich mit dem Seniorchef Wilfried Jacobus darüber, wie alles anfing mit „Bio-Weinbau“ an der Nahe. Die frühen Ökoweinbau-Versuche in den 80er Jahren gingen aus der ersten Öko-Bewegung hervor, aus einem relativ kleinen Netzwerk ebenso kleiner Winzerbetriebe. Damals existierten keine offiziellen Labels, was den Pionieren auf dem Gebiet sicherlich einige Freiräume ließ, um erstmalig „Bioqualität“ für Wein zu definieren. Es sollte nicht verschwiegen werden, dass aus dieser über Deutschland gestreuten Bewegung nicht nur Lichtgestalten hervorgingen. „Biowein“ ist leider noch immer in vielen Köpfen ein Synonym für zu säurebetonte, eher dünne Weine ohne nachhaltigen Geschmackseindruck, der Besuch im Bio-Supermarkt ist ein Risikokauf bei Wein. Das Weingut Fuchs-Jacobus oder auch das Weingut Hahnmühle (nicht auf der Inventa vertreten) gehören eindeutig seit Jahrzehnten zu einer Liga, die das  Bio-Ideal so positiv interpretiert, dass hierbei eigenständige und ausdrucksstarke Weine entstehen, die großen Trinkfluss gleich dazu versprechen. Sie stehen völlig außerhalb jeden Verdachts, hier nur eine weitere Bio-Welle zu bedienen und das bei sehr moderater Preisgestaltung.

Der Termin für die nächste Inventa steht bereits fest: 19. – 22. Februar 2015

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