Weinrallye #62: Und die Party kann gelingen…

SteitzBeck
2012er Steitz & Beck Grauburgunder Edition Rheinhessen, QbA, 12 %.

Der bekannte Weinjournalist Stuart Pigott verkostet meistens nur Weine, die deutlich über dem Verkaufspreis von 5 € liegen und die wahlweise beim Winzer oder im Fachhandel bezogen werden können. Gerade er hatte mit seinen journalistischen Streifzügen durch die Weinbauregionen eine neue Qualitätsoffensive gestartet, deren jüngstes Ergebnis Riesling global ist. Umso überraschender, von dem Mosel- und Rieslingexperten bereits im März 2012 eine Weinempfehlung für einen trockenen, rheinhessischen Grauburgunder für damals 4,99 bei REWE zu sehen: Steitz & Beck Grauburgunder Edition Rheinhessen, 12 Vol. %, deklariert als einfacher Qualitätswein. Mit Schraubverschluss! Der Wein wurde damals ausdrücklich als „Partywein“ besprochen, was bei dem einen oder anderen Leser vermutlich die schlimmsten Befürchtungen aufkommen lässt, denn schließlich wird auf Partys so ziemlich alles geschüttet, was Wirkung zeigt oder was so leicht, charakterlos und geschmacklos ist, dass die Aufmerksamkeit für die Party hierdurch nicht gestört wird. Ergo sind viele Partyweine dezidierte nicht-Aufmerksamkeitsweine. Um das Ergebnis der Verkostung vorwegzunehmen: so schlimm ist es bei diesem Wein wirklich nicht! Aber wie präsentiert sich dieser Wein denn nun?
Bereits in der Nase angenehm frisch, mit Anklängen von etwas Apfel und leichten Zitrusnoten, die später am Gaumen bestätigt werden. Schönes Mundgefühl und eine überraschende Fülle, die von der Säure gut strukturiert wird, während kurze Zeit später die grünen Aromen und die Frucht in den Vordergrund treten. Der Alkohol wirkt eher verstärkend als überlagernd, bei immerhin 12%. Ganz wichtig: der Wein ist geschmacklich tatsächlich trocken, nicht etwa „feinherb mit Zuckerschwänzchen“. Mit anderen Worten, dieser Wein hält tendenziell, was die beiden Macher Christian Steitz und Michael Beck auf dem Rückenetikett versprechen: „ Der hellgelbe Grauburgunder mit grünen Reflexen überzeugt durch fruchtig-intensive Duftaromen und einen lang anhaltenden Geschmack nach Birnen und gerösteten Mandeln“. Leichte Pfeffernoten im Abgang, würde ich hinzufügen. Die Mandelaromen waren für mich zwar nur im Ansatz vorhanden und vor allem ist der Abgang nicht sehr lang; das bekannte Defizit vieler Weine in dieser Preiskategorie. Dennoch bereitet dieser Wein einiges an Trinkfreude und der fehlende lange Abgang könnte bei dem geneigten Trinker mit dem nächsten Schluck kompensiert werden. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ist gegeben.
Dieser Wein will getrunken werden, wenn er jung ist, als Begleiter zum Essen oder in einer lockeren Runde, bei der der Weingenuss als solcher gerade nicht im Vordergrund steht, aber andererseits auch nicht völlig egal ist. Diesem Anspruch wird der Grauburgunder von Steitz &Beck allemal gerecht.
87/100 und damit noch lange nicht an der Untergrenze des Geschmacks.

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3 Antworten zu Weinrallye #62: Und die Party kann gelingen…

  1. Pingback: Heute live und in Farbe: Weinrallye #62 – Sind 5€ die Grenze des guten Geschmacks? | Drunkenmonday Wein Blog

  2. Pingback: Resümee der Weinrallye #62 | Drunkenmonday Wein Blog

  3. Jochen schreibt:

    Mein positives Erlebnis – allerdings mit einem Roten – hatte ich neulich mit dem “Manon” von 2009. Ein Tempranillo von Norma für 3,99€. Echt lecker.

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